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Geschichte des Gerichtsgebäudes

Haupteingang des Generalkommandos im ModellHaupteingang des ehemaligen Generalkommandos im Modell

Errichtet 1936-1938 als Militärgebäude (Kommandogebäude des IX. Armeekorps der Deutschen Wehrmacht und Verwaltungssitz des Wehrkreises) im Zuge der nationalsozialistischen Stadtplanung in Kassel am Schnittpunkt der Ost-West-Achse (Wilhelmshöher Allee) und der geplanten Nord-Süd-Achse (Anfänge in Form des heutigen Graf-Bernadotte-Platzes erkennbar), Architekt Ernst Wendel, Einzeldenkmal.

Fünfgeschossiger Mauerwerksbau um fast quadratischen Innenhof, rustizierter Sockel, gegründet auf 1250 Stahlbetonpfählen, in neoklassizistischem Stil, mit sandsteingefassten Fenstern und Lisenen gegliederte Fassade, sandsteinverblendete Attika, auf der Ostseite mächtiger sandsteinverkleideter Pfeilerportikus, Treppenanlage, zwei Plastiken "Rossebändiger" (J. Wackerle, München), auf der Südseite Pfeilerkolonnaden, ins Ensemble integriert ehemalige Turnhalle und Wohngebäude.

Herrichtung des Gebäudes in den 1950er Jahren, da im Krieg fast unzerstört, für das Bundesarbeitsgericht und Bundessozialgericht, sowie für den Bundesgrenzschutz, seitdem keine wesentlichen Baumaßnahmen.

Notwendige Sanierungsmaßnahmen nach mehr als 50 Jahren Nutzung, erklärtes Ziel der Baumaßnahme, den Dienstsitz des Bundessozialgerichts durch funktionelle Neuordnung, Teilerweiterung, architektonische Überarbeitung, Sanierung der Bausubstanz und komplette Erneuerung der Infrastruktur entsprechend den Anforderungen eines obersten Gerichtshofes des Bundes zu modernisieren und sanieren.

Planungsbeginn nach Wettbewerb und Auftrag des Hessischen Baumanagements an "PGS Generalplanung Bundessozialgericht" (Hartmann + Helm PGmbH und Junk & Reich BDA, PGmbH, beide Weimar).

Auszug des Bundessozialgerichts aus dem Gebäudekomplex und Baubeginn im Februar 2008, Ausweichquartier und Dienstbetrieb des Gerichts während der Bauzeit im ehemaligen Gebäude des Bundesarbeitsgerichts und in Bürocontainern unmittelbar neben der Baustelle in der Heerstraße.

Modell des neuen Sitzungssaales des Bundessozialgerichts im InnenhofModell des neuen Sitzungssaales des Bundessozialgerichts im Innenhof

Auf Grund funktionaler Anforderungen und in Anbetracht des Denkmalschutzes wird ein Teil des notwendigen Raumprogramms aus dem Altbau herausgelöst und ein separater Baukörper im Innenhof des Gebäudekomplexes konzipiert. Der neue, teilbare Sitzungssaal (benannt nach der Kasseler Politikerin und Juristin Elisabeth Selbert) stellt durch seine organische, freie Form einen Kontrast zur harten 1930er-Jahre-Architektur des Altbaus dar. Er symbolisiert eine neue Zeit mit freien Gedanken im Gegensatz zur achsialsymmetrischen und quadratischen Grundform des Bestandsgebäudes.

Restauratorischen Befunden folgend werden äußeres Erscheinungsbild, Eingangsfoyer und Marmortreppenhaus denkmalpflegerisch mit besonderer Aufmerksamkeit saniert.

Dem neuen barrierefreien Eingang an der Südseite (Wilhelmshöher Allee) wird ein repräsentativer Freiraum zugeordnet. Dadurch werden die wichtigen Blickbeziehungen von der Wilhelmshöher Allee und vom Graf-Bernadotte-Platz gestärkt.

Der Altbau wird einer kompletten Grundsanierung mit Beseitigung der baulichen Mängel, einer energetischen Ertüchtigung mit Erneuerung der Haustechnik, mit Einbau moderner IT- und Sicherheitstechnik sowie zeitgemäßen Ausbaustandards unterzogen. Energetische Maßnahmen sind insbesondere dreifachverglaste Fenster, Rotationswärmetauscher zur Wärmerückgewinnung, Freikühlbetrieb des Rechenzentrums über Kühlturm, Tageslichtsteuerung der Bürobeleuchtung und eine Photovoltaikanlage.

Rückumzug und Beginn des Gerichtsbetriebs im sanierten und modernisierten Gebäude nach 22 Monaten im Dezember 2009.

Gesamtbaukosten 34.778.000 Euro (ohne Baunebenkosten), darin enthalten ca. 780.000 Euro aus 120-Mio.-Programm zur Reduzierung von CO², ca. 2,15 Mio Euro für Erstausstattung mit Mobiliar und Geräten, Größe der Liegenschaft ca. 26.000 m², Nutzfläche 11.125 m², davon ca. 2.500 m² Bibliothek, drei Sitzungssäle mit Größen zwischen 120 bis 250 m², Besprechungs- und Beratungsbereiche, Büroarbeitsräume, Cafeteria, Neben- und Verkehrsflächen.

Insgesamt wurden die Arbeitsräume für 219 Gerichtsangehörige – davon 45 Richterinnen/Richter – saniert; ca. 1.000 Fenster und 650 Türen wurden eingebaut, 9.000 m² textile Bodenbeläge, 2.000 m² Fliesen und Naturstein, 2.000 m² Parkett und 1.000 m² Linoleum verlegt. Ausstattung mit standardisierten, funktionalen und ergonomischen Möbeln, die eine flexible Nutzung ermöglichen.

Flyer "Architekturgeschichte"

Stichpunkte zur Geschichte, Modernisierung und Sanierung des Gerichtsgebäudes
Oktober 2012

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